Start der bewegten Pause

Raus, nichts wie raus!

Foto: Robert Wolrab

Anschwellendes Trappeln, ein Trampelstakkato unzähliger Turnschuhe die Treppen hinunter ins Freie. Stimmen, die sich überschlagen. Am Hausmeisterstand vorbei und schnell, schnell durch den Haupteingang aus dem Gebäude, jeder will erster sein! – Nein, es handelt sich weder um einen Feueralarm noch um die letzte Stunde vor den Sommerferien. Fünftklässler sind es, die zweimal täglich ameisenartig auf den Sportplatz drängen, um an die Bälle zu kommen und eine Pause zu genießen, die seit den Pfingstferien so ganz anders verläuft als bisher gewohnt: Um fünf Minuten ist sie länger geworden, endlich kann man sich richtig auspowern. Vorbei die Zeiten, in denen Herumrenner zu gemäßigterem Schritt ermahnt wurden!

„Bewegte Pause“ nennt sich das Konzept, das auf eine Initiative des Schulentwicklungsteams zurückgeht und von unserer neuen Schulleiterin Frau Söllner-Gsell befürwortet und umgesetzt wird. Freilich – zusätzliche Aufsichten durch Lehrer sind nötig und ohne die freiwillige Hilfe der Schulweghelfer ginge es auch nicht. Aber der Mehrwert wiegt schwer; da sind sich alle einig. Aufgrund der Resonanz wird bereits die Ausweitung auf weitere Jahrgangsstufen diskutiert, zudem denkt man über ein praktikables Konzept für die Wintermonate nach. Jetzt aber quirlt und wuselt es auf dem Sportplatz: Fußball wird auf mehrere Tore gespielt. Federbälle fliegen durch die Luft, der Basketball soll und will nicht in den Korb hinein! In einer abseitigeren Ecke jedoch findet ein Balancierwettbewerb statt, der konzentriert und mit viel Geschick durchgeführt wird. Neidisch blicken die Größeren durch den Zaun der Sportanlage. Ja, wenn wir bloß mitmachen dürften… Zwei Schüler aus der 10. Klasse stehen derweil lässig am Geräteschuppen und sortieren Bälle zurück. Ein wenig wehmütig verfolgen sie das Treiben auf dem Rasen. „Sowas hätten wir damals gern gemacht…“, sinniert der eine. Sein Freund ergänzt, während ein Blondschopf mit hochrotem Gesicht, Sommersprossen und verschwitztem T-Shirt um die Ecke saust und ihn anrempelt: „Sei froh, dass du kein Fünftklässler mehr bist!“ Thomas Reche

Foto: Robert Wolrab